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Gedanken zu iTunes und dem Apple-Ökosystem

von  Bastian  |  

Dieser Beitrag ist ein Journal Eintrag von MACBUG.de Redakteur Bastian. Er spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider, sondern dient dem offenen Meinungsaustausch.

Wie bereits berichtet habe ich “erfolglos” andere Ufer entdeckt und bin trotz aller Freiheit und Konfigurierbarkeit zu Apple zurück geschwommen.

Und wie es wohl bei jeder Sucht ist:  Ist erstmal wieder an der süßen Frucht genascht, übertreibt man es maßlos und unkontrolliert. Ok, ganz so schlimm war/ist es nicht, aber es geht in die Richtung.

Als ich also so im Android-Lager umherschlenderte, und mich an dem einfachen Zugang zu meinem mobilen Festplatten-Speicher erquickte, stellte ich eines fest:

So viel Content wie ich hin und her transferiere konnte ich niemals konsumieren. Ein weiterer Punkt: Wenn man schon vom Apple Lager weg geht, dann muss man sich auch andere Zugangsquellen zu Musik, Filmen und Serien beschaffen.

Die üblichen alternativen Wege dürften jedem zweiten Leser hier klar sein. War ich doch immer ein Verfechter von Offline-Käufen von Filmen und Serienboxen hat mich mein mobiles Leben quasi in die Hände von Online-Anbietern getrieben.

Jedes noch so schöne Buch will eingepackt, und jede noch so tolle DVD-Box mitgenommen werden. Im Zug oder S-Bahn mal kurz einen Film gucken ist nicht drin mit einer DVD, also muss wieder zweispurig gelebt werden.

Lange Rede kurzer Sinn: Es ist verzwickt. Ich habe für mich selbst entschlossen nur noch digital zu konsumieren. Auf Tablets sind Filme immer dabei und perfekt für Bus und Zug, auf dem Smartphone kann mann Musik überall mit hin nehmen, und sollte es doch einmal der Breitbildfernseher im Wohnzimmer sein kann immer noch der Laptop angeschlossen oder direkt gestreamt werden.

Diese Möglichkeiten scheinen bei weitem einfacher zu sein, besitzt man das zugehörige Android Gadget. Filme, Musik und Serien einfach kopieren und ansehen.

Ich muss eingestehen: Das stimmt. Doch die nächste Frage ist: Wo kommen die Serien her? Wie Geld aus dem Automaten und Strom aus der Steckdose kommen Filme leider nicht komplett von einem 16GB Flash-Speicher. Digital kommen diese bislang vom iTunes Store, Google Play Store, in Buch-Form von Amazon oder über alternative Wege durch das Netz auf die heimische Festplatte.

Diese alternativen Wege wollen genutzt werden will man kopierschutzfreie Medien genießen. Der Aufwand dahinter ist klar, der Nutzen daraus aber kein Kleiner. So kopiert man fleißig von der heimischen NAS bequem über FTP App auf das Android Device.

Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem, zumindest für persönlich, der Spaß an der neu gewonnen Freiheit verloren geht. Denn durch Ordner zu klicken, von Hand kryptische Seriennamen zu verschieben, um diese dann endlich mobil genießen zu können , ist nicht unbedingt Entertainment 2.0.

Im Vergleich: Was macht an einer DVD-Box Spaß? Richtig: Die Verpackung. Während die DVD-Scheibe im Laufwerk dreht und lädt kann ungezwungen die Packungsbeilage studiert und durchforstet werden. So stellt man sich einen DVD Abend oder Tag vor. Nichts mit kryptischen Zeichen.

Und so kam es dass ich sogar noch weniger Serien oder Filme gesehen habe. Die Lust verfliegt, und der bloße Konsum ist nicht wirklich befriedigend.

Als ich schlussendlich weniger Filme auf dem Android-Device als auf dem iPad gesehen habe, wusste ich: So richtig gewinnbringend ist das ganze nicht.

Jetzt, zurück im eingeschlossenen, schlimmen und furchtbaren Apple-Ökosystem wo ich nichts darf und mir alles vorgekaut wird, ist mir klar geworden: Apple hat sich mal wieder etwas dabei gedacht.

Natürlich haben sie gedacht: $$$, aber auch: Wenn wir von den Kunden Geld haben wollen, dann muss es ihnen Spaß machen dieses auszugeben. Eine Edle-DVD-Box bietet auch nicht mehr als 0en und 1en, zusammen gelasert auf einer DVD. Die Serie bleibt die gleiche. Doch trotzdem gibt es nicht wenige die kaufen sich extra das teure Stück, da es irgendwie “stilvoller” ist und irgend einen Nutzen hat.

Als also schlussendlich mein iPhone 5 ankam, habe ich zuerst eine FTP-App aufgespielt und nach Playern gesucht die jede mögliche Film- und Audiodatei abspielen können. Bis ich frustriert zu iTunes zurück bin. Meine 8.000 Lieder waren noch für 3 Tage via iTunes Match zugänglich, und mit einem Schwups wieder auf meinem MacBook und iPhone. Die neue Ansicht macht viel her, und mit einem Klick ist jetzt der Store aufgerufen mit weiteren Liedern zur Lieblingsband. In 15 Minuten habe ich mehr Geld ausgegeben als in den 3 Monaten zusammen bei Google.

Wie ist die Aufmachung? DVD-Fan-Box-Mäßig. Schick, und es macht Spaß. Wie ist die Hardware? Schick und sie macht Spaß. Wie ist das Gefühl die Musik dann endlich zu hören? Einfach nur gut.

Man kann also entweder versuchen sein Menschsein zu verändern, oder den bequemen Weg gehen und es einfach genießen was hunderte von Arbeitern bei Apple auf die Beine gestellt haben und weiter pflegen.

Wie sieht es mit Serien aus? Die neue Ansicht macht Spaß. Im Bett oder auf dem Sofa zu liegen, durch die großartige Ansicht auf dem iMac via Apple Remote Fernbedienung oder passender App zu navigieren macht einfach Spaß. Und es ist stressfrei.

Kosten: Von 0 auf endlos viel Geld. Der Gewinn? Man sieht vielleicht nur noch die Dinge an die einen wirklich interessieren. Früher waren die Kazaa-Festplatten voll mit hunderten Gigabyte an Musik, von denen sowieso nur die gleichen in der Winamp 3 – Playlist liefen.

Genauso ist es heute mit Filmen und Serien: Sie können gerne Live im Stream geschaut werden, aber an einem Samstag Nachmittag gibt es nichts schöneres als eine DVD-Fan-Box aufzumachen und die DVD einzulegen. Oder im Apple-Fall: iTunes auf, Apple Remote in die Hand und genießen.

Was daran schlimm sein soll? Die Hersteller bekommen ihr verdientes Geld, der Kunde seinen verdienten Wochenend-Auspann-Tag und Apple wird hoffentlich so reich dass ich noch viele weitere Jahre einen guten Anbieter für Freizeitunterhaltung im Hause stehen habe.

Kommentare sind erwünscht, danke für die Zeit meinen Beitrag komplett zu lesen.

Autor: Bastian

Seit dem Relaunch von MACBUG.de für redaktionelle Texte zuständig. Vollzeit Frontend Developer, nebenberuflicher Autor für Macwelt und den Heise Verlag. Bastian auf twitter folgen.

  • Bardobard

    Der Beitrag spiegelt so ziemlich genau meine eigenen Erfahrungen wieder – es geht zwar auch anders (und billiger), aber der “goldene Apple-Käfig” bietet genau das, was ich haben möchte: Eine einfache Möglichkeit Filme, Musik etc. zu nutzen. Zudem noch legal und nicht in irgendwelchen Grauzonen. Und dieser Service, all das vernünftig aufbereit zu bekommen, ist eben (zumindest mir) auch Geld wert. Dass auch ich die Preise von Apple immer als ein kleines bisschen überzogen wahrnehme, hat mich allerdings bisher nicht davon abgehalten, Apple-Produkte und -Services zu kaufen/nutzen.