Etwas unüblich für einen Apple-Blog über Organisation zu sprechen, dennoch keine Angst: Im mittleren Abschnitt geht es schon sehr bald um jede Menge Apps und Hardware-Empfehlungen!
In diesem Beitrag will ich Euch, liebe Leser, auf ein neues Level der Organisation heben. Aber auch ein Gespür für unnütze Dinge mitgeben, sodass Ihr kontrolliert und beherrschbar in das Jahr 2013 starten könnt.
Warum ich das mache? Mein Software- und Hardware Jahr 2012 sieht grob so aus:
iMac 27″, MacMini 2012, MacBook Air 11″, MacBook Air 13″, iPad 3, iPhone 4, iPhone 5, BlackBerry 9900, BlackBerry 9790, Nokia N9, 2x Galaxy Nexus…
Meine ToDo Software-Liste ist noch länger: Von “Remember the Milk” über Things bis zu OmniFocus habe ich schätzungsweise 18 verschiedene Apps und Services getestet (nicht nur getestet, versucht sie in den Alltag zu integrieren). Hardware ebenso.
Da wahrscheinlich nicht viele so enthusiastisch an neue Hard- und Software gehen und liebend gerne solche Berichte lesen um ihre Gedanken und Abneigungen zu festigen schreibe ich diesen Artikel.
Am Ende einer Reiste stellt man oft fest was man am Anfang falsch gemacht hat. Dazu kommen wir zu Fehler Nummer 1:
Die Lebensweise an die Hardware anpassen.
Kennt Ihr das Gefühl? Ein Hersteller (zumeist Apple) stellt ein neues Produkt vor, und schnell sind 10 Gründe gefunden warum man dieses Produkt haben will, und warum es so grandios den Alltag verbessert. Großer Fehler.
Andersrum ist es besser: Hardware muss sich an Lebensweise anpassen. Und das ist leicht gesagt, denn hier sind die Grenzen fließend: Ohne richtigen Plan über “das eigene Sein” kann man keine Software-Auswahl treffen, aber ohne die richtige Software bekommt man oft keinen Blick für das Wesentliche und Große-Ganze.
1.Schritt ist also (oder eher Tipp): Steckt Euch Ziele! (Ich gehe davon aus dass so weit nur die Leute lesen die sich ernsthaft darüber Gedanken machen produktiv durch das Leben zu gehen um mehr Zeit für Freizeit zu haben und Aufgaben “kompletter” wahrzunehmen).
Also, Ziele sind wichtig. Eine nette Methode ist in der GTD-Strategie implementiert. Kurz und grob gefasst: Was muss innerhalb der nächsten Tage/Wochen passieren, welche langfristigen Ziele gibt es für die nächsten Monate, was will man in diesem Jahr erreichen und zu guter Letzt: Wie sieht das “Big Picture” aus, also wo will man hin, wer will man sein.
Harter Tobak, aber hat eine bereinigende Wirkung. Übertreiben müssen wir das hier natürlich nicht, nur als kleiner Wink: Welche Projekte stehen demnächst an (beruflich sowie privat) und was will man die nächsten Wochen/Monate denn alles so erreichen? (mehr Zeit für Freunde haben, eine eigene App schreiben etc.)
Diese Grundreinigung ist sehr entscheidend, denn anschließend geht man mit einem klaren Selbstbild durch die Welt, und kann nun zielgerecht Entscheidungen treffen (welche Kleidung brauche ich für meine Ziele, wie will ich mich geben, was muss ich ändern damit ich dort hinkomme).
Und tata, hier kommt die Soft- und Hardware. Also eigentlich noch nicht.
Denn ein Zwischenschritt ist für viele Leser sicher sinnvoll: Denkt Euch einfach 20 Jahre zurück. Was macht man wenn man sich organisieren und seine Ziele festhalten will? Richtig. Man kauft ein möglichst schönes Notizheft oder ein Notizbuch und einen extra teuren Stift. Es soll ja ein Zeichen des Aufbruchs sein und man will sich wohl fühlen in seiner neuen Umgebung.
Zwischenschritt angekommen? Dann geht es jetzt endlich zur Hard- und Software. Denn im Überschwang an nützlichen Smartphones und ToDo Apps vergisst man oft den Kern der ganzen Geschichte: Es soll nicht einfach nur Spaß machen die neuste Touch-App zu haben, nein, sie soll einen auch unterstützen. Und wer ohne Ziel und Verstand in den App Store schlendert kommt bald mit dicken Taschen an Apps heraus die er gerne sofort wieder umtauschen möchte.
Da wir jetzt gerade aber alle unsere Ziele notiert haben kann es mit meiner These losgehen:
Wie der schöne Block mitsamt Stift vor 20 Jahren das Aufbruchsgefühl unterstreichen sollten, so finde ich hilft es sehr wenn dies jetzt die Hard- und Software übernimmt.
Nach langem Smartphone-Wechsel-Dich-Spielchen bin ich jetzt, kurz vor Ende 2012, beim iPhone 5 gelandet. Das wohl beste Stück Hardware in diesem Jahr. Und für welche ToDo App habe ich mich entschieden? Naja, OmniFocus hat doch das Rennen gemacht. Mitsamt Evernote ist das ein Dreiergespann welches mich hoffentlich durch 2013 begleiten wird.
Aber auch hier füge ich einen Zwischenschritt ein: Denn OmniFocus war ein großer Grund warum ich wieder in das Apple-Ökosystem zurück bin. Vergleichbares gibt es auf keiner anderen Plattform. Viele gute Ansätze wie doit.im haben mir vom Konzept sogar fast besser gefallen, aber wie so oft: HTML-Apps ersetzen keine nativen, ganz und gar nicht wenn es um Selbstorganisation geht.
Als ich also so “zurück gestolpert” bin zu iOS und OS X (ach ja, es gab natürlich auch ein Rendevouz mit Windows, aber keine Sorge, nur als Zweitrechner) habe ich im Blick-Zurück manches anders gesehen:
Sinn war es im Januar mit einem BlackBerry durch zu starten: Viele E-Mails >> Tastatur >> BlackBerry. Einfache Sache. Aber: Multimedia-Apps gibt es quasi nicht. Da ich mich an kein vorhandenes App-Ökosystem gewöhnt habe war der Sprung zum aufregenden Nokia N9 ein kleiner. Aber auch hier: Auf Dauer fehlte etwas.
Bei all diesen Hardware-Entscheidungen war es viel mehr so: Ich passe mich an das Gerät an, verzichte auf Dinge, und stellte meine private Organisation völlig auf den Kopf. Nur um nach ein paar Woche zu sehen: Das funktioniert nicht. Es macht Spaß, aber (hier wieder die Ziele): Unterstützen die Geräte und die dazugehörige Software wirklich meine langfristigen Ziele? Erreiche ich sie dadurch schneller?
Die Antwort war: Nein.
Nach diesem konfusen Jahr habe ich also erneut OmniFocus neu eingerichtet, Evernote wieder gefüllt, einen festen Bookmark gesetzt und die dazugehörigen iPhone Apps installiert. Auch hier wieder wunderschön: Das neue Evernote für Mac topt einfach alles. Und siehe da: Auch OmniFocus 2.0 wird Ende des Jahres endlich vorgestellt.
Hier merke ich deutlich:
Android hat im Moment das Betriebssystem für Smartphones das am Fortschrittlichsten ist. Die Notifications sind gut, die App-Vielzahl auch enorm. Aber hier kommt es: Die App-Qualität ist ein Graus. Daran gewöhnt und eigentlich doch ganz zufrieden bin ich wieder zurück zum iPhone und konnte mich nach 5 Minuten nicht mehr erinnern warum ich so “zufrieden” war.
Der vielmals vorgehaltene Satz “Bei Apple sieht es nur gut aus, aber Funktionalität hat es keine” hält so nicht stand. Natürlich fließt ein Stück Wahrheit mit ein, aber im Ernst:
Mein Nexus habe ich auch gerootet um die “guten” Apps installieren zu können (die einen Funktionsunterschied zu iOS ausmachen). Aber: Habe ich sie genutzt? Nein. Mein Arbeitstag geht meist bis spät Abends, und da bleibt keine Zeit für eine nette Spielerei am Rande. Sogar im Gegenteil: Die tollen Apps stürzen öfter ab als alle Apps bei OS X und iOS zusammen. Nutzen ist also eher relativ.
Daher mein Rat:
Stellt Euch mobil sowie im Büro produktiv auf. Sucht Eure Ziele, und DANACH erst eure Hard- und Software. Sollte es tatsächlich BlackBerry, Android, Windows Phone oder sogar Symbian sein, well done.
Ich für meinen Teil habe das “Rumspielen” satt, und mache dies nun in meiner Freizeit an einem Raspberry Pi. Mein Arbeitsgerät sollte für’s Arbeiten da sein, und wenn es gut läuft mich auch freizeitlich unterstützen. Android macht vieles richtig, aber wenn es um Akku-Laufzeit (Note 2 und Razer Maxx ausgenommen), Stabilität und vor allem Workflow geht macht iOS aktuell keiner etwas vor. Oder eher: Macht den Entwicklern dieser tollen Apps keiner etwas vor.
Der Kreis schließt sich hier: Ich habe oben davon gesprochen die passende Software zu seiner gewählten Hardware auszuwählen. Das schafft Apple aktuell grandios. Die Frameworks werden von den Entwicklern dankend angenommen, die Kunden kaufen dankend ihre Apps, und Apple freut sich dass diese guten Anwendungen ein sehr angestaubtes Betriebssystem retten.
Nach dem Streifzug durch den mobilen Sektor merkt man dass andere Plattformen Funktionen nachschießen Hauptsache diese sind vorhanden. Funktionalität vor Design ist auch der falsche Weg. Design und Funktionalität sollte Hand in Hand gehen, und das klappt bei iOS aktuell wunderbar.
Und am Rande: All diese System-Apps unter Android haben mich meinen Zielen kein Stück näher gebracht…
Wie ein schöner Stift und ein wunderbares Notizbuch vor 20 Jahren schafft es also Apple mit dem iPhone 5 ein wahnsinnig gutes Stück Hardware zu kreieren das gekonnt das Notizbuch abschafft. Der Stift wird durch wundervolle Apps ersetzt.
Sucht die für Euch passende Kombination aus, und habt immer das große Ganze im Blick.
Besinnliche Feiertage und viel Spaß mit Euren Apple-Produkten!
