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Anleitung & Erklärung: Das ist die iCloud und so funktioniert sie

von  Bastian  |  

Die iCloud wird ab Ende Juli allumfassend unter OS X und mit iOS 6 Ende des Jahres auf allen Apple-Geräten vertreten sein.

Doch überall kann man Verärgerung und Unwissen unter den Apple-Usern feststellen. Auch verständlich, ändert nämlich die iCloud so ziemlich das Grundverständnis aller Programme und wie man mit diesen umgeht.

Aber halt, so neu dürfte das Konzept gar nicht sein, und viele Benutzer arbeiten schon seit mehr als 10 Jahren damit….

Denkt an Eure E-Mail-Arbeitsweise: Nachricht bekommen, Mail-App öffnen, Nachricht lesen und entweder löschen oder auf den Archivieren-Button klicken. Und jetzt eine Frage: Wo befindet sich denn diese E-Mail jetzt genau? Auf Eurer Festplatte? Noch beim E-Mail-Anbieter? Vielleicht bei beiden?

Wahrscheinlich machen sich die wenigsten Menschen über den Speicherort einer E-Mail Gedanken. Das Wichtigste ist: Überall und auf allen Geräten verfügbar, und wenn möglich noch synchron.

Kommen wir zur Dropbox

Jeder von Euch wird die Online-Festplatte Dropbox kennen, bzw. den Webservice der dahinter steckt. Ein einfach Prinzip geschickt gelöst: Eine simple Online-Festplatte, und ein Ordner der Änderungen überwacht.

Die Dropbox versteht sich als Online-Festplatte, als Zukunft des Dateiaustausches bzw. der Handhabung von Dateien. Genau wie SkyDrive von Microsoft oder GoogleDrive von Google.

Prinzip:

Festplatten-Speicher im Netz, Datei Up- und Download. Dateistruktur angucken, Ordner erstellen und sich wohl fühlen.

Das ist die iCloud

Mit MobileMe gab es eine iDisk. Auch eine Online-Festplatte wie die Dropbox. Sie wurde anders in das System eingebunden, funktionierte aber genauso (wenn auch schrecklich langsam).

Und jetzt denkt noch einmal an das E-Mail-System: Euch ist das Dateisystem egal: Die E-Mail wird gelesen, irgendwann später mal gesucht um etwas nachzulesen, aber das war es auch schon.

Und genauso funktioniert die iCloud.

Alle Apps verhalten sich wie ein E-Mail-Client. Sie speichern die Daten auf das iPhone, synchronisieren diese aber auch zeitgleich zur persönlichen iCloud. Also zur Online-Festplatte. Diese Daten nehmen wie E-Mails Speicherplatz weg.

Der Vorteil: Jedes Gerät kann nun auf diese Dateien zugreifen. Hat man also die App xyz auf dem Mac, iPhone und auf dem iPad, greift diese auf den reservierten Platz in der iCloud zu und lädt die gespeicherten Daten herunter.

Diese App kann die verfügbaren Daten nun anzeigen – wie sie das macht ist ihr überlassen.

Warum das Ganze?

Für Computer-Neulinge oder solche die diese Wunderwaffe der Technik nur selten im Einsatz haben ist das Umständlichste das Dateisystem. Auf dem iPhone oder iPad öffnen sie einfach Apps, und kümmern sich nicht darum wo genau jetzt die Dateien gespeichert sind. Daher fällt es solchen Personen auch leicht ein Mail-Programm zu bedienen oder eben Anwendungen aus dem AppStore zu laden und anzuwenden.

Nirgends kommt die Frage: “Wo möchten sie die Datei speichern?”

Apple stellt sich so die Zukunft der Computernutzung vor. Eine weitere Vereinfachung der Handhabung mit den Geräten.

Wie passt das in meinen Workflow?

Habt Ihr ein iPad oder iPhone könnt Ihr das leicht vergleichen: Auf diesen mobilen Geräten wird alles “App-weise” gesteuert. Eine PDF wird in Safari geöffnet, in iBooks gespeichert, und von dort aus genügt ein Tap auf den Teilen-Button um sie Freunden oder Kollegen zugänglich zu machen. Die Anwendungen wechseln von selbst und man ist immer nur wenige Taps vom Ziel entfernt.

Auch produktiv gar nicht so schlecht:

Beim Schreiben von Artikeln habe ich festgestellt das meist ein Umweg über Desktop oder Download-Ordner umständlicher ist als den Artikel direkt auf dem iPad zu schreiben.

Ich nehme einen Screenshot auf, verkleinere diesen, und speichere ihn in der Fotos-App ab. Nun kommt die WordPress-App, greift auf die Fotos zu und das Bild ist im Artikel bzw. im Netz.

Auch wunderbar: Ein Photo mit dem iPhone aufnehmen, und sofort ist es auf dem iPad und auf dem Mac. Kein Kabel, kein Teilen, kein Button, kein Nichts.

Wie das funktioniert?

Die iCloud versteht sich als Zwischenspeicher der Anwendungen. Anwendungen untereinander auf verschiedenen Plattformen kommunizieren über die iCloud. Sie laden Dateien oder Bilder hoch (benötigen daher Speicherplatz), und laden diese in der App auf anderen Geräten wieder herunter.

Was die iCloud nicht kann

Drag&Drop in Ordnern um beliebige Dateien auf allen Geräten verfügbar zu haben. Wie E-Mails verarbeitet Ihr nun auch PDFs etc. anwendungsgetrennt.

So sieht das Interface mit Mountain-Lion aus

Beispiel: Ihr öffnet die App Vorschau, und bekommt dieses Fenster angezeigt. Wenn Dokumente für die App-Vorschau in der iCloud verfügbar sind, werden diese hier angezeigt.

3 Möglichkeiten Dateien in der iCloud zu speichern

Wie im Screenshot weiter oben zu sehen ist: In dieses Fenster könnt Ihr Dateien hineinziehen. Diese werden sofort in die iCloud geladen, und sind von nun an dort verfügbar. Ruft man nun die App Vorschau auf einem anderen Mac auf, taucht diese Datei auch auf.

Im Sichern… Dialog taucht ein neuer Eintrag auf: Die iCloud. Dokumente können also nun direkt in der Anwendung in der iCloud gespeichert werden:

Die dritte Möglichkeit übernimmt die App selbst: Also wie schon vom iPad oder iPhone bekannt kann eine App nun Playlisten, oder Abonnements in der iCloud abspeichern. So “weiß” diese bei einer neuen Installation oder auf einem anderen Gerät welche Zeitungen  oder Podcasts man abonniert hat. Dies funktioniert natürlich auch mit Spielständen.

Eine zusammenfassende Erklärung

Fakten, Fakten, Fakten:

  • Die iCloud ist keine Online-Festplatte wie die Dropbox, SkyDrive oder GoogleDrive
  • Die iCloud kann nicht in den Finder eingebunden werden
  • Man kann nicht von Hand Anwendungsübergreifend Dateien verschieben oder Ordner erstellen
  • Die iCloud ist ein Zwischenlagerplatz für Apps

In Textform: Alle Anwendungen werden bald wie ein Mail-Client funktionieren: Dateien jeder Anwendungen werden getrennt in die iCloud hochgeladen, von dort können sie wieder heruntergeladen werden. Aber nur von der Anwendung die sie hochgeladen hat.

Warum ist das besser als GoogleDrive und Co?

Es ist einfacher. Wie bei den Bildern (ich knipse ein Bild, und schwups ist es auf allen Geräten ohne etwas gemacht zu haben), geht es mit allen Anwendungen: Ich speichere ein Pages Dokument ab, und kann es auf dem iPad im Zug einfach öffnen.

Ich muss nicht in einen lokalen Speicher und mir die richtige Datei suchen, ich öffne einfach die passende Anwendung.

Die iCloud kann mehr

Die iCloud kann nicht nur Dateien für eine Anwendung speichern, sonder auch:

  • E-Mail-Service ( @me.com)
  • Kalender-Synchronisation
  • Adressbuch-Synchronisation
  • Backup der iOS-Geräte
  • Finde meinen Mac / Finde mein iPhone
  • Notizen
  • Safari-Lesezeichen-Synchronisation
  • Fotostream

Was aktuell noch fehlt, und wahrscheinlich mit Mountain Lion nachgereicht wird:

  • Pages, Numbers und Keynote für Mac iCloud-fähig machen
  • iBooks und die Vorschau-App für den Mac verknüpfen

 

Das Große-Ganze im Blick haben

Abschließend: Durch die iCloud wird es in mehreren Jahren möglich sein, völlig Geräte unabhängig zu arbeiten. Es werden mehr Funktionen hinzukommen, und Sinn wird Folgendes sein:

  • Ich kann mich an ein fremdes iPhone einloggen, und sofort alle meine Daten haben. Beim Ausloggen sind sie wieder weg.
  • Das Dateisystem und die Geräte spielen keine Rolle mehr. Die iCloud verwaltet ALLES
  • Die iCloud wird zum Betriebssystem, die jetzigen Betriebssysteme werden zu den “Clients” für die iCloud, also die Kunden.
  • Der Funktionsumfang wird sich in Richtung iCloud verschieben

Probleme?

Gehörig. Doch so ist es. Es gibt Personen die sind am Terminal aufgewachsen und meiden heute noch die grafische Oberfläche. Es gibt Personen die haben auch heute noch lieber eine DVD im Regal als eine Datei auf der Festplatte.

Das Denken verändert sich: Nicht nur der Abschied vom Betriebssystem, auch der Abschied vom stationären Arbeit und Leben. Es gibt kein “Ich komme Heim an meinen Computer und bringe alles auf den neusten Stand” mehr.

Am iPad erledige ich den Großteil meiner Arbeit. Apps syncen übergreifend, und wenn ich den MacMini einschalte ist alles schon aktuell.

Die einzige Arbeit die am Mac noch besser geht: Programmieren, Designen, Videoschnitt.

Autor: Bastian

Als Informatik-Student, und seit kurzem stellv. Chef-Redakteur bei MACBUG.de, will ich neuen Usern helfen, in die Macintosh-Welt ein zu tauchen, sowie langjährigen Nutzern neue Möglichkeiten eröffnen, wie Sie noch effizienter mit einem Mac arbeiten können. Themengebiete: UNIX, Terminal, MacOS X Allgemein Über Anregungen, Kritik und Problemberichte freue ich mich sehr - via Kommentar-Funktion oder Kontaktformular!

3 Kommentare

  1. Dann freue ich mich besonders darauf, meine ganze Fotosammlung in der iCloud von Vorschau wiederzufinden. Der Ausflug ans Meer vor fünf Jahren – oder waren’s vier? Ach ja, das war ja die Datei IMG_55911.jpg. Oder vielleicht eher IMG_02251.jpg?
    Auch wird in diesem Artikel der ganze Sicherheitsaspekt ausgeblendet: Wer will schon, dass seine ganzen Dateien online verfügbar und damit hack- und einsehbar sind? Ich nicht, und Otto Normalverbraucher auch nicht, wenn er denn wüsste, wie unsicher die ganze Cloud grundsätzlich ist. Vielleicht gehört Otto Normalverbraucher ja zur Gattung “Ich habe nichts zu verbergen”, aber auch dort kommt das böse Erwachen früher oder später; die Strafe für die eigene Dummheit wird dafür umso grösser sein.

    • Sicherheitsaspekt:
      Wer schreibt einem denn die iCloud vor?
      In dem Artikel geht es um die Funktionsweise dieser iCloud. Thema Sicherheit:
      Ist höher als bei Dropbox und Konsortn!
      Datenschutz? Wohl in einer Stufe mit Microsoft und um Welten besser als bei Google!

      Thema Bilder:
      Dafür gibt es iPhoto und den Photostream! Bilder von Hand verschieben machen wohl die wenigsten unter OS X!

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