permalink

1

Gedanken: Das Firefox OS – Google Paradoxon [UPDATE]

von  Bastian  |  

Dieser Beitrag ist ein Journal Eintrag von MACBUG.de Redakteur Bastian. Er spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider, sondern dient dem offenen Meinungsaustausch.

Mozilla brachte eine spannende Technologie in den Vordergrund, die gar nicht so neu ist, und Google schon länger für sich entdeckt hat. Doch, für mich persönlich – und hoffentlich auch für Euch Leser – baut sich da eine “lustige” Konstellation auf.

Für den nötigen Background:

Chrome OS ist das “Online-Betriebssystem” von Google. Ein Experiment, wenn ich mal so sagen darf, das großes Potential hat. Was macht Chrome OS also, auf welcher Technik basiert es? Dieser interessante Artikel gibt einen Einblick.

Um es grob (und technisch nicht ganz korrekt zu sagen): Die Anwendungen, die man sich auf einem Chromebook installiert sind WebApps. Das heißt: Mit HTML5, CSS und Javascript geschrieben (auch noch andere Sprachen, aber dies dürfte der Hauptteil sein).

Aber: Es sind Technologien, die es seit jeher gibt, und immer stärker werden. Soll heißen: Mit diesen grundlegenden Sprachen des Webs kann man Applikationen erstellen, die früher nur mit “richtigen” Programmiersprachen wie C, C++, Java möglich waren. (OS X und iOS Anwendungen sind in Objective-C geschrieben).

Diese Sprachen sind Urgesteine der der Computerentwicklung, und haben mächtige Bibliotheken. HTML5 und Co. sind Markupsprachen, JavaScript ist eine Skript-Sprache die von Browsern interpretiert werden, also ausgeführt werden kann.

So, mit der Zeit bekommen diese “Websprachen” immer stärkere Funktionen die es ermöglichen ganze Anwendungen und sogar Spiele im Browser darstellen zu lassen. Google baut mit dem Chromebook auf diese Sprachen, und dürfte diese Entwicklung noch weiter pushen. Also ein neuer Markt den Google als erstes bestreitet.

Android, iOS und Co bauen darauf noch nicht.

Mozilla hat vor langer Zeit ein Projekt gestartet, ein mobiles Betriebssystem nur mit dem notwendigen Linux-Kernel auszustatten um die Hardware anzusprechen, und darauf pure HTML5-Apps installiert. Das gleiche Konzept also wie Googles Chromebook.

Nun greif aber gerade das mit Firefox OS getaufte Projekt direkt auch Android-Marktanteile an.

Firefox OS im Kurzvideo

Der Vorteil dieser Apps ist es, dass sie Plattformübergreifend installiert werden können (sofern denn mehrere Plattformen existieren die dies unterstützen). Tizen wäre hier ein Beispiel das Ende 2012 auf den Markt kommen soll.

Das “Problem” für Android wird sein: Hersteller sind nicht mehr von Google abhängig, müssen nicht warten bis Google eine neue Version von Android herausbringt, um dieses dann Hardware gerecht anzupassen. Firefox OS nutzt einen richtigen Linux-Kernel, der ausschließlich OpenSource-Bibliotheken verwendet.

Android hat aktuell noch eigene APIs und Schnittstellen, und den Kernel soweit angepasst dass es fast nichts mehr mit Linux zu tun hat.

So, um jetzt zur Überschrift zu kommen:

Mozilla springt mit Firefox OS genau in die Nische, die Google für ihre Chromebooks vorgesehen hat: Webbasierte Applikationen.

Das Paradoxe: Mit dem Push, den die Chromebooks im Web verursachen, unterstützen sie im gleichen Maße auch Mozilla und deren Firefox OS. Denn der Weg ist klar: WebApps könnten der neue Durchbruch sein.

Indem sie also weiter an diesem Trend arbeiten, “verschlechtern” sie die Marktsituation um Android erheblich. Denn im gleichen Maße wie das Chromebook von der HTML5-Innovation profitiert, profitiert auch das Firefox OS.

Nichts neues: Java-Applikationen laufen auf Android sowie auf BlackBerry und anderen Plattformen. Dennoch gibt es dort für jedes Betriebssystem andere APIs und spezielle Funktionen die diese nutzen. “Pure” Java Anwendungen sind schwer 1:1 auf allen Betriebssystemen zu implementieren.

Mit dem HTML5-Boom könnte also endlich ein einheitlicher AppStore erschaffen werden, und alle Plattformen könnten darauf zugreifen.

Dies wird zunehmend natürlich auch andere Hersteller (wie Apple) treffen. Doch die ersten Jahre sind entscheidend: Androids Verbreitung (über 50%) ist auch auf die Billig-Handys zurück zu führen. Mit dem Nachteil dass Hersteller von Google abhängig sind. Mit Tizen und Firefox OS kommen neue Betriebssysteme auf den Markt, mit denen Hersteller wie Samsung, HTC und Co. selbständig wären.

Apples Patentkrieg dürfte auch darauf abzielen: Die Hersteller so verunsichern dass sie sich Alternativen suchen, und Google sich auf die eigene Produktion der Nexus-Reihe verlassen muss (auch hier wieder von anderen Herstellern abhängig).

Um es zusammen zu fassen: Boomt das Chrombook, verschlechtert sich damit der Marktanteil von Android.

Eine gewagte These, dennoch kann man diese Linie ziehen. Denn werden WebApps von Herstellern für das Chromebook erstellt, können diese, vielleicht ohne Anpassung oder nur geringfügig, gleichzeitig für das Firefox OS hergenommen werden.

Apples Vorteil? Eine gewachsene API-Struktur, ein OS X Kernel in iOS. Android baut sich mit den Jahren seinen eigenen Linux-Kernel zusammen, und hat keine strengen Richtlinien für das Aussehen und Verhalten der Apps. Also weniger Qualität. Um zu “basteln” reicht das Firefox OS aus, und ist sogar noch besser da es pures Linux ist.

Entscheidend ist wie immer der Content, aber da helfen die Chromebooks ja munter mit, damit das Firefox OS nur so zu blühen anfängt.

Kommentare sind erwünscht, danke für die Zeit meinen Beitrag komplett zu lesen.

UPDATE: Auch die Financial Times Deutschland berichtet über Firefox OS vs. Android

Autor: Bastian

Als Informatik-Student, und seit kurzem stellv. Chef-Redakteur bei MACBUG.de, will ich neuen Usern helfen, in die Macintosh-Welt ein zu tauchen, sowie langjährigen Nutzern neue Möglichkeiten eröffnen, wie Sie noch effizienter mit einem Mac arbeiten können. Themengebiete: UNIX, Terminal, MacOS X Allgemein Über Anregungen, Kritik und Problemberichte freue ich mich sehr - via Kommentar-Funktion oder Kontaktformular!

  • tom

    naja, die chrome-html5-apps sind leider nicht 1:1 in firefox lauffähig… derzeit…