
Ein falscher Zeitpunkt mit diesem Thema anzufangen? Google hat erst kürzlich zahlreiche neue Produkte vorgestellt (darunter Google Glasses, ein Tablet, Android 4.1 und weitere Verbesserungen in Google+).
Also warum Google den Rücken kehren?
Nun ja, die Dienste sind kostenlos. Aber wie es doch so schön im Leben ist: Nichts ist kostenlos, vor allem nicht bei einem Unternehmen das an der Börse ist und Mitarbeiter zahlen und beschäftigen muss.
Anstatt mit Geld bezahlt Ihr bei Google also mit Euren Daten. Bislang nicht weiter schlimm, hat sich der Durchschnittsdeutsche doch schon daran gewöhnt.
Das spannende ist natürlich: Google stellt neue Services vor in dem Android Euch sagt wann Ihr los gehen müsst um es noch püntklich zur Arbeit zu schaffen, oder wann in der Umgebung das nächste Konzert Eurer Lieblingsband ist. Klasse Funktionen, und so stellt man sich wohl auch den Alltag in 5-10 Jahren vor.
Doch es gibt einen signifikanten Unterschied: Ihr müsst dazu nichts eingeben. Aus GoogleMail, der Google Suche und weiteren Produkten des Unternehmens werden die Daten zusammengefügt und ausgewertet.
Finde ich im Grunde genommen nicht schlimm, nur muss man sich eines vor Augen halten: Google “weiß” mehr als jede Bank oder jeder Arbeitgeber von einem. Der Suchmaschinen-Konzern behält diese Daten auch nicht vorrangig für sich sondern verkauft sie an Dritte weiter.
Grund genug also sich über die Google Dienste Gedanken zu machen.
Welche Google-Dienste nutze ich – was weiß Google alles von mir?
Auf dieser Seite gibt’s die Antwort. Das Google Dashboard zeigt alle Dienste und Verknüpfungen die Ihr mit Eurem Google-Konto erstellt habt.
Die wichtigsten Dienste ersetzen
Google steht für YouTube, die Google Suche, Google Reader, GMail, Google Docs, Google Kalender, Google Maps und Google Kontakte. Dies dürften die Schwergewichte für die meisten Benutzer sein.
RSS-Feeds und GoogleReader
Eine RSS-Alternative gibt es kaum (zumindest für mich als Macintosh-User nicht, denn: Alle “guten” RSS-Apps synchronisieren ausschließlich mit dem Google Reader). Also, was tun?
Ich persönlich bin auf twitter umgestiegen. Es gibt kaum Websiten im Netz die Ihren Content ausschließelich via RSS publik machen. Meist wird ein Link zu einem neuen Artikel auch als tweet verfasst und abgeschickt.
Als wissbegieriger Leser häufen sich schnell an die hundert Websiten an die man per RSS verfolgt, wie also dies unter Twitter unter bringen?
Ganz einfach: Die Seite bei twitter suchen, followen und eine Liste erstellen in der man die gewünschten Personen/Websiten dann aufteilt.
Ein Vorteil für mich ist, dass Twitter meist dynamischer ist. Ich stoße auf viel mehr Websiten die meine favorisierten Blogs/Websiten/Personen empfehlen. Listen sind auch dynamischer anpassbar und auch von unterwegs können schnell Änderungen vorgenommen werden.
Twitter ersetzt für mich persönlich die RSS-Feeds.
Nachteil: Offline lesen ist nicht. Doch mit Instapaper kann man sich Artikel für später merken, diese werden mit passenden Apps für Mac und iOS heruntergeladen. So hat man beides: Die spannenden Artikel immer gut sortiert und offline griffbereit, und via twitter dynamischen für neuen Input sorgen.
Kontakte, Kalender, GMail
So, die schweren Brocken. Hat man sich an GMail gewöhnt ist es schwer davon weg zu kommen.
Eine Entscheidungshilfe: Für mich war es ein Vorteil, da ich die E-Mail-Flut sowieso meist nicht mehr “getagged” habe. Sprich: Den E-Mails Kategorien zuteilen oder in Ordnern verschieben kommt für mich seit ein paar Monaten nicht mehr in Frage. Die Suche ist in Mail für OS X oder auf dem iPhone / iPad gut genug. Denn meist sind in den besagten Ordner so viele E-Mails vorhanden dass dort auch der Suche beholfen werden muss.
E-Mails werden gelesen, in’s Archiv verschoben und wenn sie wichtig sind in mein GTD-Konzept eingepflegt (OmniFocus).
Alternativen: Sind rar. Die iCloud natürlich (erfüllt ihren Zweck alle mal), oder man beschafft sich eine eigene Domain mit Webspace. E-Mail-Funktion ist bei den aller meisten Angeboten bereits dabei.
Vorteil: Eine E-Mail-Adresse mit Wunschname, IMAP, und die eigenen Mails werden nicht mehr ständig von Google durchleuchtet und ausgewertet. Kontrolle über die eigenen Daten also!
Weitere: Die Kollegen aus Redmond haben mit Windows Live auch einen exzellenten Service, Kontakte und Kalender gleich inbegriffen. IMAP dabei, und kostenlos.
Kontakte und Kalender sind meist ein Nebenprodukt des E-Mail-Services. Wer tatsächlich volle Kontrolle haben will: OwnCloud. Soll selbst für Laien leicht einzurichten sein, und bietet eine Fülle an Funktionen.
Google Docs
Ich hoffe doch dass mit der iCloud keiner mehr auf die Idee kommt einen anderen Online-Service zu verwenden. Mit Mountain Lion (Veröffentlichung Ende Juli) und weiteren iDevices klappt das ausgezeichnet. Ohne zu speichern oder irgendetwas zu betätigen synchronisiert die iCloud alle Dokumente, geräteübergreifend.
Eine Alternative: Zoho.
Google Suche, Google Maps und YouTube
Auf diese beiden kann man schwer verzichten. Ich habe eine zeitlang Bing versucht, aber ganz ehrlich, das ist noch meilenweit von Google Search entfernt.
Doch das Gute: Um Videos auf YouTube zu gucken oder Begriffe zu suchen wird kein Google Account benötigt!
Und Google Maps? OpenStreetMaps ist eine Alternative.
Wer kein Hardcore-YouTube-User ist, oder schon mehrere tausend Freunde auf Google+ verzeichnet, für den ist das Wechseln nicht schwer:
GoogleMail wird zu iCloud oder Windows live.
Aus dem Google Reader wird twitter
Weitere Dienste wären natürlich noch GoogleDrive, die OnlineFestplatte. Da bietet Dropbox eine Alternative.
Ihr seht: Google ist mittlerweile überall und hat ein breit gespanntes Netzt. Die Dienste sind toll, keine Frage. Aber manchmal würde ich doch lieber gerne 10 Euro im Monat bezahlen und (vielleicht) sicher wissen dass meine Daten an einem Fleck sind und diese nicht für Werbezwecke und Umsatz verkauft werden.
Google macht aktuell noch 96% seines Umsatzes mit Werbung. Alle Produkte sind kostenlos. Diese zwei Dinge müssten einen kritisch stimmen.
In diesem Sinne: Viel Spass beim Wechseln!
