
Dieser Beitrag ist ein Journal Eintrag von MACBUG.de Redakteur Bastian. Er spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider, sondern dient dem offenen Meinungsaustausch.
“Ein Apple- oder Android-Blog ohne einen Artikel über den legendären Kampf zwischen iOS und Android kann kein richtiger Blog sein!”, habe ich mir gedacht. Eigentlich ist es kein Kampf, und die vielerorts vorherrschende Meinung, sich für eines der beiden zu entscheiden ist meist zu kurzsichtig gedacht.
Erstens gibt es nicht nur diese beiden, zweitens unterliegt man auch schnell der Machtpolitik beider Konzerne. Im folgenden Beitrag will ich auf Ausrichtung, Funktionsumfang, Bedienbarkeit und auf den politischen Hintergrund eingehen. Der Artikel soll mit Alternativen enden, die trotz aktueller Berichterstattung nicht zu verachten sind.
Mein persönlicher Hintergrund: iOS-Nutzer seit ca. 3 Jahren, zwischenzeitlich ein BlackBerry und Nokias Schmuckstück N9 mit MeeGo als Betriebssystem mein Eigen nennen können. Seit ein paar Tagen habe ich mich in die Google-Welt gewagt, und das Galaxy Nexus mit Ice Cream Sandwich bestellt.
Einen direkten 1:1 Vergleich erspare ich mir hier, der ist meist sinnlos, und wird den Betriebssysteme auch nicht gerecht.
iOS
Los geht’s mit Apples iOS. Vor ca. 5 Jahren vorgestellt, überrollte es die gesamte Handy-Branche. Interessant: Auf der Keynote wurde damals Googles Chef Dr. Eric Schmidt eingeladen. Voller Lob schlug er beiläufig vor, Apple und Google einfach zusammen zu führen, so ähnlich sind die Unternehmen, und so überwältigt und froh ist er vom iPhone. Mittlerweile herrscht ein erbitterter Kampf zwischen beiden Lagern.
Der Grundgedanke hinter iOS ist Vollständigkeit. Ohne zusätzlich Apps installieren zu müssen, soll der Benutzer ein funktionales Betriebssystem erhalten. Die Ironie hierbei ist, dass trotz dieses Ansatzes der iOS-AppStore die meisten Apps anbietet. Grund dafür sind die genutzten OS X – Bibliotheken, die man schon vom Macintosh kennt. Kenner schnalzen hier mit der Zunge, und dies macht sich auch in den Apps bemerkbar: Flüssig, gutes Aussehen und perfekt ins System integriert. Apple macht hier einen meisterhaften Job.
Die Entwickler-Plattformen sowie die bereitgestellten Informationen sind schon eine feine Sache, und dort merkt man, dass Apple “einfach” ein weiteres Puzzelstück zum schon bestehenden Betriebssystem für Desktops und Notebooks hinzugefügt hat. Alles wirkt ausgereift, und durchdacht.
Dieser große Pluspunkt schlägt sich vielerorts nieder: Multimedia-Apps (integriert oder via AppStore) sind um Längen besser als bei der Konkurrenz, iOS fühlt sich stabil und griffig an, kaum Latenzen und schnelle Reaktionszeiten. Trotz Funktionsvielfalt ist es extrem einfach zu bedienen, sodass auch Anfänger problemlos damit zurecht kommen.
Ein riesiger Bonuspunkt ist das Zusammenspiel mit Mac OS X. Nein, die iCloud ist zwar genial, aber wenn viele Leser jetzt denken dies sei der entscheidende Faktor, so haben sie sich getäuscht. Hersteller bringen meist zu ihren Mac OS X – Apps auch ein Pendant für das iPhone heraus. So kann man unterwegs mit der gleichen Arbeitsumgebung arbeiten, wie am heimischen Rechner auch.
Nimmt man jetzt noch das iPad hinzu, entsteht eine wahre Wohltat. Qualitativ hochwertige Apps, die auch noch gut aussehen. Man kann fast wahllos auf den Download-Button im AppStore klicken. Geschlossenes Öko-System sei Dank.
Womit wir beim (vielleicht einzigen?) Nachteil von iOS sind: Die Geschlossenheit. Trotz Jailbreak erreicht man bei weitem nicht die Funktionalität, die man sich von einem Mac OS X – Ableger wünschen würde. Umständliches Herunterladen und verwalten vom Cydia-Store macht den wenigen Spass am offenen System auch wieder zunichte.
Fazit: Nutzer, die wenig Kontakt mit einem Computer haben, oder solche, die ein Smartphone als Produktivitätsschub gebrauchen, sind mit iOS bestens aufgehoben. Apps werden meist genau für diese Zielgruppe geschrieben, viele Unternehmen versteifen sich auf iOS und Mac OS X Apps, zudem erscheinen Programme führender Hersteller auch vor allen anderen Plattformen auf iOS.
Apple verbaut diesem großartigen Betriebssystem aber weitere Chancen: Mit einer Offenheit wie von OS X gewohnt, würde die Entwicklergemeinde wohl keinen Gedanken an ein Linux-Open-Source System verschwenden. So aber öffnet man Google Tür und Tor.
Android
Googles Android macht es in diesem Punkt schon besser: Apps, die iOS-Liebhaber nicht mal im Traum im AppStore erwarten, kann man sich beim direkten Konkurrenten ohne Probleme herunterladen. Auch ohne Root (dazu später mehr) kann man so mit wenigen Apps sein Smartphone nach belieben aufrüsten und verbessern.
Um diesen Open-Source-Stempel von Android weg zu bekommen: Es ist nicht Open-Source. Zumindest nicht im Sinne der Linux Foundation und vielen Fachmagazinen. Warum nicht? Der Quellcode ist zwar für jeden zugänglich, jedoch sperrt Google die Systemdateien auf den Smartphones. Dies ist nicht der eigentliche Grund, denn Google veröffentlicht auch keine RoadMap für Android.
Lösung hier ist das “Rooten” eines Android-Gerätes. Es geht nicht viel schwerer als das Jailbreaken eines iPhones (meist sogar viel einfacher), sodass im Nu alle Verzeichnisse frei verfügbar sind. Ein großes Plus (das größte überhaupt) ist nach einem Root die Entwicklergemeinde. Was Android also zu so einem erfolgreichen Betriebssystem macht sind zum Einen die billigeren Smartphones bzw. Smartphones in jedem Preissegment, und zum Anderen die Erweiterbarkeit. Der Kernel sowie die Oberfläche können komplett ausgetauscht werden, sodass man im Grunde viele andere, angepasste Betriebssystem darauf installieren kann. Nicht nur das, auch ganze Linux-Distributionen können auf dem Smartphone gebootet werden. Für Entwickler, Sicherheitsexperten und Tüftler also ein absoluter Kaufgrund.
Wenn man die Betriebssysteme im Roh-Zustand aber vergleicht, so fällt die schwache Performance von Android auf. Selbst auf Google Handys (wie meines: Galaxy Nexus) fühlt sich Ice Cream Sandwich bei weitem nicht so performant an. Das Handy selbst ist auch kein Vergleich gegen die Hardware-Perfektion iPhone. Von der Funktionalität und den Einstellungen übertrumpft es iOS aber locker.
Genau dort greift die unterschiedliche Politik: Apple hat ein PS-Starkes Pferd auf dem iPhone, lässt es aber nur bedingt raus. Gerade soviel, dass Anwender nicht zu viel “kaputt” machen können, aber noch genügend Einstellungen zur Verfügung haben.
Google folgt einem anderen Ansatz, und liefert ein ganz gut funktionierendes Betriebssystem, lässt aber eine Vielzahl an Optionen selbst einstellen. Der Grund hierfür dürfte das Image sein: Wenn ein Google Handy nicht so will, so kratzt dies kaum am Image von Google selbst. Kauft sich ein Laie aber ein iPhone für über 700 Euro, so will er das alles perfekt läuft. Apple geht somit den sicheren Weg, und veröffentlicht nur das, von dem sie auch wissen dass es 100% funktioniert. Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel (Antenna-Gate, Akku-Probleme).
Kurz zusammenfassend kann man sagen: Apple hat vom Unterbau das stärkere Pferd, kann aus reichlich Bibliotheken und dem Zusammenspiel von Mac OS X schöpfen. Schade ist hierbei, dass Apple nicht mehr zu lässt. Mit einem offenen (oder sagen wir etwas offenerem als jetzt) iOS würde man die Konkurrenz um Längen schlagen.
So aber ist für Entwickler und solche, die ein wenig am Smartphone einstellen und tunen wollen Android die bessere Wahl. Ice Cream Sandwich macht zwar nicht gerade einen “Premium-Eindruck”, allerdings macht Google dies mit Individualität wieder wet.
Beide Unternehmen bieten Cloud basierte Dienste an. Auch hier wieder: Apple eingeschränkt und nur für definierte Funktionen, die Google-Dienste sind dort bei weitem einstellungsfreundlicher. Natürlich kann man auch ein iOS-Gerät mit den Google-Diensten verknüpfen, dennoch sind diese in einem Android – Gerät natürlich besser integriert.
Alternativen
Doch welche Möglichkeiten bleiben uns noch? Außer den zwei großen Herstellern gibt es noch das Windows Phone, RIMs BlackBerry und ein kleiner Tipp: Nokias N9 mit MeeGo als Betriebssystem.
Das Windows Phone ist für mich persönlich nicht der Rede wert. Geschlossen wie iOS greife ich persönlich deshalb lieber zu Apple. Es macht einen frischen Eindruck, dennoch fehlen die entscheidende Kaufgründe.
Genauso schade wie Apples Geschlossenheit sind RIMs fehlende Multimedia-Funktionen. Das BlackBerry macht im Kommunizieren, beim Bedienen und Einstellen einen wirklich exzellenten Eindruck. iOS und Android sind in Sachen “Konnektivität” aus meiner Sicht meilenweit hinter RIM zurück. Die Tastatur eines Bold ist ein Segen, E-Mail senden / empfangen spielen in der Königsklasse. Leider fehlen aus “jugendlicher Sicht” die Multimedia-Features, sowie ein paar nützliche Apps. Wo Android schon extreme Schwächen zeigt, ist RIM schon fast ganz raus. Für Hersteller kommt ein BlackBerry erst an dritter oder vierter Stelle, sodass es schwer fällt auf liebgewonne Apps von iOS zu verzichten.
Jetzt der Geheimtipp: Nokias N9 mit MeeGo als Betriebssystem. Ihr fragt euch jetzt sicher: “Warum denn das? Nokia hat schon längst den Support eingestellt!” Stimmt so nicht ganz, ein paar Updates sind noch zu erwarten, zudem sind stetig steigende Zahlen in der Entwicklergemeinde zu verbuchen. Was aber macht MeeGo so gut?
Für mich merzt es die fehlende Geschlossenheit von Apple aus, und bietet im Gegensatz zu Android eine intuitivere, und stabielere Bedienung. Ein Traum: Mit einem Touch auf den “Developer-Button” im Einstellungsmenü öffnet man sein gesamtes Gerät. So erscheint sofort ein Terminal, und bekannte Linux-Befehle werden gleich mit installiert. Anders als Android ist es komplett geöffnet, und hält sich an die Prinzipen der Open Source Gemeinde (Road Map veröffentlichen zum Beispiel). Nokia verzichtet beim MeeGo komplett auf Hardware-Buttons (wie Android bei neueren Geräten auch) und man kann alles mit Gesten bedienen. Das Menü sieht ser fein aus, die Buttons und Ansichten können schon fast mit Apples Design mit halten. Man hätte also beides: Offenheit des Systems, eine starken Kern da es ein (fast) komplettes Linux-Betriebssystem ist, und ein einzigartiges Design. Zudem fühlt sich das N9 wertiger als das aktuelle Premium-Handy Galaxy Nexus an.
Endfazit
Leider muss man sich aktuell noch für eine Richtung entscheiden. Entweder das wertige iOS, mit schöneren Apps, besserer Performance und den Mehrwert der Entwickler. Oder man wählt Android von Google, mit einer Top Anbindung an die Google Dienste, konfigurierbaren Betriebssystem und via Root eine schier unendliche Palette an Konfigurationsmöglichkeiten. Wer auf die App oder Multimedia-Vielfalt verzichten kann, dem sei RIMs BlackBerry oder Nokias N9 wärmstens ans Herz gelegt. Trotz aktueller Medien sind diese beiden System sehr gut bedienbar, und können in so manchen Punkten die beiden großen Hersteller locker übertrumpfen.
Kommentare sind erwünscht, danke für die Zeit meinen Beitrag komplett zu lesen.
