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Bildungsoffensive: Deutschland gegen Apple

von  Bastian  |  

Boersenblatt.net hat gemeldet, dass Schulbuchverlage eine offene Plattform für digitale Schulbücher auf der Didacta 2012 in Hannover vorstellen will.

Die Plattform soll als offener Gegenentwurf zu Apple sein: Bücher können Online und Offline gelesen, und plattformübergreifend vertrieben werden. Apple hat eine neue Bildungsoffensive gestartet, in der sie Textbooks auf das iPad bringen will.

Marktstart der neuen, herstellerneutralen Plattform soll 2012/2013 sein. Geplant ist, Schulbücher mit dem Datenschutz-Gütesiegel vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein zertifizieren zu lassen.

Spannend ist natürlich die Frage des Erfolgs. Verlage, vor allem in Deutschland, haben bisher keinen nennenswerten Beitrag zur Digitalisierung der Schulbücher geleistet. Ob aus dem “puren Konter” wirklich eine spannende Plattform wachsen soll?

Die zweite Frage: Wird dabei wirklich noch an das Schulsystem gedacht, oder geht es nur um Machtstellung? Apple wird oft vorgeworfen, aus reinem Eigennutz diese Schulbücher zu vertreiben. Wer hinter diesem Projekt stehen soll, und was es für ein Konzept verfolgt ist noch nicht bekannt.

Fakt ist: Die vorgestellten Textbooks auf Apples iPad sehen verdammt gut aus, und lassen sich genial einfach bedienen. Ob die Schulbuch-Verlage wirklich nur PDFs veröffentlichen wollen? Plattformübergreifend wäre das, aber bei weitem kein Gegenentwurf zu Apple.

Der offene Gedanke ist zu loben, die Umsetzung bleibt ab zu warten. Ob bei diesem Vorhaben einer an das Lern- und Schulsystem gedacht ist, ist eine andere Frage.

Autor: Bastian

Seit dem Relaunch von MACBUG.de für redaktionelle Texte zuständig. Vollzeit Frontend Developer, nebenberuflicher Autor für Macwelt und den Heise Verlag. Bastian auf twitter folgen.

  • http://twitter.com/DAMerrick DAMerrick

    Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen das Apple nicht an eine Machtstellung sondern an die Bildung der Schüler denkt?

    Erstens: Apple missbraucht das offene ePUB Format für seine Bücher.
    Zweitens: Apple verlangt das Bücher nur bei Apple veröffentlicht werden (Die Ausnahme für kostenfreie ist ein Witz wenn man die Entwicklungs- und Inhaltskosten bedenkt)
    Drittens: Apple erwartet das seine iPads dafür genutzt werden. Nichts mit offener Platform.

    Machtstellung in der Schule. Damit die Schüler ja an Apple gebunden werden.
    Was bei MS für Schelte sorgt, gilt bei Apple wohl als Bildungsauftrag.
    Ganz toll. :-((

    Selbst wenn die Verlage nur PDF bereitstellen würden, das wäre ein Riesenschritt und würde bedeuten das Schüler vielleicht schon in naher Zukunft sich aussuchen können ob sie 10 Bücher oder ein Tablet/eBook Reader mitnehmen.
    Eine große Öffnung bei den Verlagen.

    Und sehr viel offener als Apple’s Strategie auch den Bildungsmarkt digital zu monopolisieren.

    • http://www.macbug.de/ Bastian

      Ich habe dies mit keinem Wort gesagt. Ich habe lediglich betont, dass die allgemeine Meinung “Marktbesessenheit von Apple” ist. Die Verlage agieren aber jetzt aus Konter genauso.

      Natürlich ist das Vorgehen nobel. Bildung braucht freie Quellen. Dennoch muss man hier unterscheiden:
      Apple bietet ein starkes Konzept an. Die Offenheit sei erstmal dahin gestellt.
      Ob das die Verlage auch bieten können, ist mehr als zweifelhaft.

      Der Punkt mit der Offenheit: Hier geht es erstmal um Schulbücher, nicht um die eBook-Diktatur. Warum sollen sich Verlage nicht auf eine Vertriebsquelle einigen? So müssen sie keine Abstriche bei der Qualität machen, und haben eine sichere Einnahmequelle. Es werden die gleichen Schulbücher hergenommen, die es sowieso schon gibt. Apple ist in diesem Punkt nur der lachende Dritte.
      Zusammenfassung:
      1. Schüler haben wirklich tolle eBooks
      2. Verlage können sich auf eine Plattform konzentrieren, und da Qualität reinstecken. Denn verkauft werden die Bücher, und dies auch nur auf einer Plattform.
      3. Apple gibt als lachender Dritte schon mal einen Vorgeschmack auf die Apple-Welt (macht Adobe, oder Microsoft schon seit Ewigkeiten).

      Was in Deutschland jetzt wohl vorgeht: Hilfe, wir wollen nicht noch ein Segment an Apple verlieren. Apple ist böse, und will alles vorgeben. Schnell, lasst uns das ganze Offen gestalten.

      Eine Sicht: Wikipedia war damals gegen Microsofts Lexikon-Projekt ja auch erfolgreich, und das zum Glück für alle.
      Zweite Sicht: Ist es mir nicht als Lehrer / Schüler / Elternteil egal, auf welcher Plattform die Bücher vertrieben werden? Wenn ich von der Schule so ein tolles iPad gestellt bekomme, dann nehme ich lieber das, als mir ein 200 Euro Netbook von der Stange zu kaufen.

      Ich bin aktuell Student. Ich lerne aktuell von PDFs – oder auch nicht. Denn PDFs ersetzen kein Buch. Apples Strategie ist in der Sicht gut, als dass sie das Lernen verbessern wollen (natürlich mit Marktmacht verbunden).

      Lange Rede, kurzer Sinn:
      1. Will ich als Schüler Qualität haben? Ja oder Nein.
      Wenn die deutschen Verlage das auf die Reihe bekommen, sehr gut.
      Ich frage mich aber, ob tatsächlich ein Schüler vom Notebook-Bildschirm aus lernt. Ich bin aktuell in der Lage, und ich kann Ihnen sagen, dass ein iPad (oder verallgemeinert: ein Tablet) dazu ideal sein kann.

      Meine Befürchtung ist einfach diese: Schulbuchverlage strotzen nicht gerade vor Innovation. Sie sollten sich lieber helfen lassen.