Dieser Beitrag ist ein Journal Eintrag von MACBUG.de Redakteur Takeo. Er spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider, sondern dient dem offenen Meinungsaustausch.
Gerade erst 2 Tage ist es her, dass ich über die Probleme der anderen Tablet-Hersteller schrieb und meiner Meinung etwas Luft gemacht habe, da kommt der große Knall – nicht zu meiner völligen Überraschung am Ende muss ich gestehen:
HP hat mit sofortiger Wirkung die Entwicklung und den Vertrieb aller WebOS Geräte eingestellt.
Zudem überlegt bestätigt das Unternehmen, die PC-Sparte ebenfalls abzustoßen – und das als derzeitiger Weltmarkführer. Dann wäre damit ist HP nun ein Peripherie- und Softwarehersteller. (HP = Drucker ist wahrscheinlich eh das mehrheitliche Bild der Konsumenten)
Jetzt stellt sich dennoch erstmal für die meisten, vor allem Fans der Plattform die Frage nach dem “warum?”.
Es gibt viele gute Gründe, die Geräte so wie sie sind einzustampfen:
1. Das HP Touchpad erzielte nicht den erwünschten Erfolg, die Handelskette BestBuy sitzt auf 90% der bereits angelieferten Geräte fest und HP hat ungefähr 25.000 Stück darüber verkauft. BestBuy möchte es gar nicht mehr weiter probieren, sondern die Geräte an HP zurückgeben. Auch eine Preissenkung um 100 Dollar, so kurz nach Produkt-Launch, bringt/brachte hier kaum den erwünschten Erfolg. Dadurch wird in den Augen der Konsumenten nur schnell die Auffassung einer “billigen” iPad-Kopie manifestiert. Soviel zum Image des Produkts.
2. webOS hat bereits viel Geld gekostet. Zu viel. Die Software und alles was mit der Akquisition von Palm zu einem Preis von 1,2 Milliarden US Dollar kam, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Weitere Millionen flossen in die Weiterentwicklung, die Hardwareentwicklung etc. Das sind erstmal Kosten, die irgendwann gedeckt werden müssten. Derzeit sieht es aber klar danach aus, als würde das niemals der Fall sein können.
3. HP möchte kein Geld mehr ausgeben. Klingt trivial wenn man sich die Fakten oben ansieht. Entscheidend ist, jedweder Meinung oder Kritik zum Trotz, dass der Verkauf der Geräte niemanden wirklich reich macht auf Dauer. Die Konsumenten bringen erst mit dem Kauf von Apps, Filmen, Musik, Büchern, Magazinen etc.pp. Geld in die Taschen der Entwickler und der Herstellerfirma um weitere Produktinnovationen zu finanzieren. Sonst endet man in einem ewigen Wettrüsten, wie man es schon vom nicht-lukrativen PC-Markt kennt.
Hier hat Apple Großartiges geleistet, auch wenn es vielen ein Dorn im Auge ist. Apple verdient Geld mit jeder App, jedem Film, jedem Buch, jedem Magazin, jedem XY Produkt welches auf dem iPhone, iPad und iPod touch konsumiert wird. Apple hatte es von vorne herein verstanden, wie wichtig das ist. Das ist der Knackpunkt, hier kommen die ganzen Milliarden von Dollar her. Damit lässt sich eine Entwicklung der Plattform rechtfertigen und deswegen ist Steve Jobs auch so rigoros, wenn es um die “Kontrolle” der Inhalte geht. Das Schicksal HPs in Sachen webOS zeigt hier nur um so deutlicher, wie wichtig dies ist. Bemerkung anbei: Google interessiert dies nicht, da sie ein viel stärkeres Standbein haben durch Suchmaschinen-Nutzung und Anzeigen (Haupteinnahmequelle von Google) und natürlich jedes Android-Gerät auf Google setzt wohin das Auge reicht. Mal abgesehen von den ganzen schönen Nutzerdaten, die Google dabei sammeln kann. Daher kann man auch fröhlich alles auf Android Geräten installieren. Auch Viren. Google kümmert das nicht.
4. HP ist nicht Apple. Die Frage hier lautet, “wer ist HP?” HP gilt als günstiger und guter PC- oder Peripherie-Hersteller, auch für die Mac-Welt. Auch in Sachen Software weiß das Unternehmen Bescheid. Doch auch hier sieht HP keine Zukunft wie zu verstehen ist, und die PC-Sparte wird bald ausgegliedert. Bringt kaum Geld, kostet zu viel. HP scheint selber in einer Identitätskrise zu stecken und will sich neu ordnen. Das soll dann wieder Geld bringen und den Ballast abwerfen. Das gefällt auch offenkundig den Aktionären gut, wie man einem kurzen aber starken Anstieg des Wertes entnehmen kann. Und das, trotz der derzeitig weltweiten Börsenkrise. Da hat jemand großes viel Geld investiert.
Abschließend bin ich persönlich nicht über den Verlust von webOS traurig – viel mehr war ich bereits früher ein großer Fan des Palm. Und Palm OS. Bis dann alles schieflief und webOS zu HP wurde.
HP hat mit webOS ein sehr gutes System für z.B. Drucker oder dedizierte Geräte in der Hand. Wir werden sehen, ob wir es in anderer Form wieder sehen. Klar ist, als Tablet/Smartphone OS ist es tot.
Nun ist das Feld kleiner und es gibt nur noch Apple, Microsoft, Google und RIM. Hier, meine persönliche Meinung, wird RIM nächstes Jahr wieder stark hervortreten. RIM baut unbestritten hervorragende Hardware und die Software ist ebenfalls vielversprechend. Aber wir werden sehen. Ende und Aus.
Ich freue mich auf Kommentare. Danke fürs Lesen
