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Journal: Handel bleibt auf Android Geräten sitzen – oder, warum Apple das iPad/iPhone nur langsam verbessert

von  Takeo  |  

Dieser Beitrag ist ein Journal Eintrag von MACBUG.de Redakteur Takeo. Er spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider, sondern dient dem offenen Meinungsaustausch.

Keine Frage, Googles Android ist populär. Die Frage hierbei ist unbestritten, ob es populär ist, sondern, warum es populär ist.
Ich persönlich war schon immer ein Freund und Verfechter des Macs, Apple Produkten und überhaupt “alles Apple” (oft sehr alleine damit, vor allen in den Jahren 1990-2000, heute eher nicht mehr) – dennoch, mit Blick auf den Horizont immer auf der Suche nach neuen technischen “Gadgets” und Tools, die Apple das Wasser reichen können und mich ein wenig vom Apfel wegbringen -bisher vergebens ;)

Daher besitze ich neben meinem iPad auch ein Samsung Galaxy Tab 10.1, dass Apple versucht durch Patentklagen und richterliche Beschlüsse zu “stoppen”, und ein BlackBerry Playbook von RIM (Research in Motion), welches durchaus Potenzial hat, aber dann doch eher ein Nischenprodukt bleiben wird.
Wie “The Register” nun schreibt, bleiben die Händler derzeit auf den Android Tablets sitzen. (160.000 iPads im Vergleich zu 2-8000 Tablets der Konkurrenz im gleichen Zeitraum)

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum? Erstmal, meine ehrliche Meinung zu Android: Google hat mit Android eine Plattform geschaffen, die gegen Apple’s iOS angehen “kann”, kostenlos für jeden zur Verfügung steht und somit die Entwicklungsarbeiten komplett wegfallen lässt – der Knackpunkt für die meisten Firmen, den Kampf gegen Apple anzugehen (Nokia hatte Symbian, das war es dann aber auch schon, die neuste Entwicklung MeeGo wurde eingestellt und jetzt macht man lieber gemeinsame Sache mit Microsoft – Palm hatte Palm OS, später Windows Mobile, jetzt WebOS – Update: Jetzt hat auch HP aufgegeben).

Es ist also kein Wunder, dass es tausende, billige, Android Geräte aus China gibt. Und natürlich auch hochwertigere, was die Hardware betrifft, von namhaften Herstellern wie LG, Samsung, Motorola, Acer etc.pp.
Aber hier liegt auch dann sofort das Problem. Die Software ist, wie bei Windows der Fall, nicht auf eine ganz bestimmte Hardware ausgerichtet, sondern auf ein “Raster” von kompatiblen Geräten. Jeder kann ein Gerät bauen, wenn er die Möglichkeiten hat und die Mindestanforderungen erfüllt. Das Fragmentiert aber direkt wieder den Markt, da fast jedes Gerät, im Kampf um einen “ich bin besser”-Faktor eine andere Bildschirmauflösung, Prozessor etc. hat.

Gerade die Bildschirmauflösung wird von vielen unterschätzt. Sie ist nicht nur für den Endanwender ziemlich egal, solange alles gut aussieht, sie macht die Erstellung von Programmen zur Qual. So laufen viele Programme nicht, oder nur eingeschränkt auf vielen Android Geräten – alle anderen schauen in die Röhre. Ich kann das bei meinem Samsung Galaxy Tab 10.1 erkennen – viele Programme sehen darauf aus, als wären sie eben nicht dafür gebaut worden. Unzählige Bewertungen im Google Android Market zeugen davon, wie unzufrieden die Leute eigentlich damit sind. Bewertungen werden immer mit Bezug auf Gerät abgegeben, z.B. “Läuft gut auf XX” oder “Läuft überhaupt nicht auf XX” – ein Albtraum für den typischen Couchsurfer und damit typischen Tablet-User. Ich denke da an den absoluten “Normalverbraucher” – er ist eben kein Freak – wahrscheinlich liest er diesen Blog-Eintrag auch niemals, da er kein Interesse hat und daher nie darauf stoßen würde. Fangen wir lieber nicht damit an, die verschiedenen Prozessortypen, Grafikkarten, Akkulaufzeiten, Kameras etc. zu erwähnen, die wiederum ein Problem zur Vereinheitlichung darstellen.

Bei Apple kann man sich sicher sein, dass es keine “Quantensprünge” gibt, ohne zumindest eine Lösung bereitzustellen. So konnten iPhone Programme auch auf einem iPhone 4 mit Retina Display ausgeführt werden, ohne jede Anpassung – auch wenn dann eben die Objekte etwas pixelig und unscharf erschienen. Man konnte sich etwas Zeit lassen, diese Feinheiten zu ändern, verkaufte dennoch seine Software und niemand war sauer. Wenn es nicht sehr grafik-lastig war, musste man gar nichts ändern, denn iOS ersetzte dann einfach die “alten” vom System bereitgestellten Elemente mit hochauflösenden Versionen und damit war die Sache erledigt.

Auch beim iPad 2 hatte Apple keine größeren Sprünge gewagt und das Gerät “nur” dünner gemacht (dabei aber, wie kein anderer Hersteller mit Android Geräten, ein aus Glas gefertigtes Display beibehalten – ein wichtiger Faktor in Sachen “Schlieren” durch die Finger-Eingabe – das Samsung Galaxy Tab 10.1 ist ein Fingerabdruck-Magnet und zeigt manchmal sogar Regenbogen-Farben durch den Druck des Plastik auf die Displayschicht, vor allem im warmer Umgebung). Ein schnellerer Prozessor und schlechte, aber für Videochat und einfache Fotos ausreichende Kameras rundeten die Sache dann ab. Damit war die Sache erledigt.

Viele Quellen gehen derzeit von einem iPad mit Retina Auflösung aus – die Frage muss aber lauten: Glaubt Apple, dass das nötig ist auf kurze Zeit? Wenn man bedenkt, dass auf der Displayfläche eines iPad ein Retina Display mindestens die vierfache Auflösung und eine deutlich höhere Pixeldichte benötigen würde, merkt man schnell das es dadurch zu durchaus größeren Ausfall- und Problemraten mit der Displayherstellung kommen würde. Auch weiß jeder Nutzer, zumindest der versierte, dass eine solche immense Steigerung der Auflösung eine deutliche Steigerung in Sachen Prozessor-Power und Grafikleistung mitbringen müsste, um die gleiche Geschwindigkeit wie zuvor zu gewährleisten – auch hier stellt sich die Frage, ob Apple bereits so viel Power in das Gerät packen kann. Meine persönliche Meinung: Nein. Noch nicht. Und daher wird die Auflösung, wenn überhaupt, nur langsam gesteigert und lieber Wert auf neue Innovationen gelegt. Ich denke da viel mehr an neue Materialien, Gewichtsverringerung und vor allem eine erhebliche Steigerung der Akkulaufzeit. 15-20 Stunden wäre dann das nächste Ziel. Die meisten Android-Hersteller kommen nicht mal an 7 Stunden ran, während das iPad 2 schon auf gute 10:30 Stunden Laufzeit kommt, der nächst-beste Konkurrent, Samsung Galaxy Tab 10.1, immer noch “nur” auf 9:30 Stunden.

iPads verkaufen sich also wie warme Semmeln, Android Tablets (nicht Smartphones, denn diese sind immer noch “gut genug” für viele Menschen die sich eben kein teures Smartphone leisten wollen), bleiben wie Blei im Regal liegen. Das kommt nicht nur von gutem Marketing, oder “Gehirnwäsche” oder von den ganzen “Apple-Jüngern” (so viele Apple User wie heute, gab es bei weitem nie vorher, eher das Gegenteil war der Fall).
Viel mehr hat es Apple geschafft, einen Platz im heimischen Arsenal an Alltagselektronik neben dem Fernseher des 08-15 Verbraucher zu ergattern. Dieser Nutzer weiß nicht mal, was Android, Multitasking, “mehr Tools und Offenheit” etc. bedeuten. Es interessiert ihn einfach überhaupt nicht.

Es ist nicht verwunderlich, dass ich oft genug gefragt werde, ob mein RIM BlackBerry Playbook oder das Samsung Galaxy Tab 10.1 ein iPad ist – die meisten wissen eben gar nicht, was der Unterschied ist. Und die meisten wollen es auch nicht wissen.

Solange also keiner der Hersteller anfängt, sich über Innovationen und eine vereinheitlichte Hardware zu etablieren, wird hier nichts passieren. Auch nicht über den Preis, denn der Kunde hat den Preis von Apple bereits akzeptiert. Punkt.

Kommentare sind erwünscht, danke für die Zeit meinen Beitrag komplett zu lesen.

Autor: Takeo

Mit einem Performa 600 zum Mac gekommen und seit dem langjähriger Apple-Professional und Fan. Ich lerne nie aus und freue mich immer, neuen wie alten Mac-Usern mit Hilfe zur Seite zu stehen. Ich bin gerne über MacBug.de erreichbar, ein Projekt welches ich im Jahr 2007 startete. Gerne lese und beantworte ich Kommentare zu den Artikeln persönlich. Ich freue mich auf eine Weiterempfehlung der Webseite durch unsere Leser! :)

  • Hgo22001

    Hallo,
    ich kann dem geschriebenen nur zustimmen. Bin selbst nach über 25 Jahren Windows auf Mac und iPhone umgestiegen und trauere jeder Minute vergeudeter Lebenszeit hinterher, in der ich nach passenden Treibern für meine Graka und /oder Netzwerkkarte etc.gesucht habe, weil mein Windows 95/NT/2000/XP/Vista oder ähnliche Viren diese nicht erkannten oder nur unzureichend unterstützten. Ich denke gerne an die unzähligen Telefonate nach, in denen ich mich mit inkompetenten Hotlines irgendwelcher Hard- oder Softwarehersteller herumschlagen musste, weil die Version 1.3.2.9.8 Build 17 leider nicht mit dem aktuellen Windows kompatibel war. Die Liste liesse sich ohne Ende weiterführen und ich kenne viele , denen es genauso oder noch schlimmer ergangen ist. Wenn man seinen Rechner nur privat benutzt, kann man das ja noch als Hobby begreifen, wenn man aber, wie ich, mit seinem PC Geld verdient, wird es irgendwann unerträglich. Als MS dann Vista veröffentlichte, habe ich mir einen MBP gekauft und bereue nicht eine Minute.
    Das Ding läuft, ich habe keine Probleme mit Hard- und Software, alles gut.

    Viele Grüsse

    Horst

    • http://macbug.de Takeo

      Danke für das Feedback – ich hatte auch mal einen PC – aber nur zum Spielen. Und das war schon eine Qual… aber es ist halt schwierig, den “Freaks” zu erklären, dass sie eine Randgruppe sind ;)

  • Rion

    Hey genau darüber habe ich vorhin noch mit einem Freund gesprochen, da wir im Rahmen unserer Ausbildung für Android entwickeln ans angehende Game Developer.
    Ich persönlich finde es schrecklich, da man meiner Meinung nach nicht vor der Entscheidung steht ob man für iOS (was ich persönlich bevorzuge aus diversen Gründen) oder für Android (oder beides) entwickelt, sondern eher ob es für iOS oder eine gefühlte Milliarde Android-Smartphones sein soll.
    Und da stellt sich für mich als Entwickler auch gleich ein anderes Problem dar:
    Ich kann mir ein iPhone und ein iPad ja noch leisten, auch wenn das schon ordentlich ins Geld geht, aber ich kann mir nicht 20 oder gar 30 verschiedene Androiden leisten die ich alle zum Testen benötige. Meine potenziellen Kunden sollen auf keinen Fall die Betatester für meine Programme spielen, wie das bei Android oft der Fall ist.

    • http://macbug.de Takeo

      Na dann sind wir ja schon mal auf Deine iOS Programm(e) gespannt! ;)

      • Rion

        Ich auch ;)
        Und ich hoffe mal das wird bald mal wirklich was, werde hier in der Ausbildung mit Java, Allegro, C++ und Android gequält und zu allem Überfluss auch bald noch C# (was meiner Meinung echt ne sehr dreiste Objektive-C Kopie ist). Muss man leider durch…

        • http://macbug.de Takeo

          Viel Erfolg und melde Dich bei uns für ein Review. :)

  • Myako Toudai

    Echt schöner Artikel, spricht mir weitestgehend wie aus der Seele :)

    • http://macbug.de Takeo

      Danke, freue mich, dass ich nicht “alleine” bin.

  • Sthlm

    Ich stimme dem auch zu. Muss dabei nur ans letzte Wochenende denken, als ich Win auf meinem iMac startete und Anno spielen wollte. Ergebnis: schwarze Inseln. Lösung: neuerer ATI-Treiber und ein extra Spiel-update von ATI + Patch von ubisoft. Alles mühselig und Zeitraubend. iPad oder iPhone dagegen: Spiel starten und spielen.
    Aber der Fairness muss man sagen, bei Apple ist auch nicht alles Gold. Aktuelle Spiele auf dem Mac gibt es als Auswahl erst seit kurzer Zeit und Sicherheitsfixe fürs iPhone Classic oder 3G nicht mal gegen Geld. Und das 3G ist bei einigen als Neugerät noch keine 2 Jahre alt. Das andere Smartphone-Hersteller dabei auch nicht besser sind, nimmt Apple nicht autom. aus der Pflicht.

    • http://macbug.de Takeo

      Ja, für Spiele kann man Windows vielleicht gerade noch missbrauchen. Ich habe darauf WoW gespielt und es war auch immer ein gepatche bis zum geht nicht mehr.

      Nicht alles bei Apple ist Gold, aber wenn man sich alleine die kaputte Android-Versionslandschaft ansieht (SMS Bug war echt furchtbar gefährlich und überhaupt nicht lustig), wird man zu schätzen wissen, dass Apple *überhaupt* die Geräte jahrelang updated und pflegt. “Richtig” böse Sicherheitslücken gibt es im Classic und 3G iPhone auch nicht mehr.

  • major-tom

    Super Artikel. Er spricht mir aus der Seele.

    Samsung & Co. haben nichts anderes als die Aufforderung aus der Chefetage bekommen, „auch so ein iPad-Ding“ zu machen. „Der Vorstand will einen Prototypen in 2 Monaten, ein fertiges Produkt in einem halben Jahr. Das kann doch nicht so schwer sein. Guckt euch das Teil von Apple an und dann los, zack zack …“

    Aber Apple entwickelt an dem Teil schon seit fast 10 Jahren! Während alle anderen (ausser RIM, wie es scheint) einfach einen Prozessor, ein Display, etwas Plastik und ein kostenloses OS genommen und innerhalb von 2 Monaten einen einigermaßen lauffähigen Prototypen zusammengenagelt haben („Hey, sieht doch genau so aus wie ein iPad, meine Beförderung in den Vorstand ist gesichert!“), hat Apple einen Chef der unbarmherzige Qualitätsstandards setzt. Ruckelt der Screen? Zurück in die Entwicklung. Und kommt nicht noch mal mit so einem Mist!

    Die Samsung & Co-Manager merken noch nicht mal das es auf dem Screen ruckelt (oder nehmen es als gottgegeben hin, wie den Ausschaltbefehl im START [SIC!] Menü ihres Edel-Toshibas). Diese Manager wollen das gar nicht merken. Die haben andere Probleme. Z. B. den nächsten Quartalsbericht. Die brauchen Erfolge, und zwar schnellstens. Ansonsten gibt es Druck von oben. Ansonsten brechen Aktienoptionen weg. Ansonsten bricht der Kurs ein. Dann sitzen sie auf einer staubigen Straße. Also, ist doch ganz einfach: Display kaufen, Prozessor und Batterie dranlöten, OS aus dem Web ziehen und fertig ist die Laube.

    Und man merkt den Geräten die „Liebe“ an, mit der sie entwickelt wurden. Mein Lob übrigens an die Ingenieure, die in dieser Atmosphäre des unbedingten Geld-drucken-wollens etwas hervorgebracht haben, das wenigstens halbwegs funktioniert.

    Einzig RIM scheint weiter zu denken. Ich wünsche denen, dass sie es schaffen das BusinessPad zu bauen und damit das iPad in die Home-Ecke zu drängen. Das scheint mir die einzige Überlebensmöglichkeit zu sein.

    • http://macbug.de Takeo

      Vielen Dank für den Kommentar und das Lob. Und ja, die Frickeleien werden mit Android leider immer schlimmer und alles hängt von Google ab, nicht von den Herstellern. Vielleicht führen die ja bald Restriktionen ein.

      Und ja, RIM scheint mir die einzig vernünftige Alternative. Ich benutze persönlich einen BB 9870 und mit dem BB 9900 hat RIM ein sehr tolles Gerät geschaffen. Die meisten Menschen wissen das nur nicht, weil sie ihn nicht ausprobieren. Sicher, schnell und komfortabel.

  • Patrick

    der artikel ist nicht nur schön, sondern nahezu perfekt!
    ich habe mir (als überzeugter Apple user) gestern das HP touchpad für 99€ gekauft. Und muss sagen für das geld bringt es ein relativ gutes Preis/Leistungs Verhältnis zu tage .
    Doch wie du bereits erwähnt hast ist es einfach ein zusammen gestückeltes teil und keine perfektion bis in das kleinste detail wie es eben bei Apple-produkten der Fall ist. Ich könnte nun massig pro´s und kontra´s für das HP Pad darlegen; Denke aber es wäre zuviel und nicht der Rede wert.
    -Ich werde nun mal linux und auch android (wenn es denn bald verfügbar ist) aufspielen und das gerät testen. Für die 99€ wird es sicher ein akzeptables gerät sein. Jedoch wird es nie und nimmer an ein so ausgeklügeltes system wie das ipad ran kommen. Kurz gesagt: “apple forever” -und dass nicht weil ich ein apple-narr bin, sondern weil Steve Jobs und seine Anhänger wissen was sie tun und zu tun haben!

    • http://macbug.de Takeo

      Danke vielmals für das Lob!
      99 Euro für das HP touchpad ist in der Tat ein super Preis und HP ist bereits ausverkauft. Vielleicht wird es ja jetzt noch ein paar nette Kleinigkeiten von Entwicklern geben, bevor das Teil in Vergessenheit gerät. ;)