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MacBug.de Exklusiv: Interview mit Regisseur Tobias Baumann

von  Takeo  |  

tobibaumann.pngExklusiv für MacBug.de stand Tobias (Tobi) Baumann (Homepage), Regisseur von “Der Wixxer” und “Vollidiot”, rede und Antwort über Film, iPhone, Filmarbeit mit Macs (z.B. für Bildblog.de) und den iTunes Movie Store.

Viel Spaß!

MacBug: Viele MacBug.de Leser haben über Deine Kinofilme Tränen gelacht. Bist Du selbst
ein humorvoller Mensch?

Tobi: Ja, natürlich! Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie man sich als komplett humorloser Misantrop ca. 500 gefühlte Tage im Jahr mit lustigen Filmen, Serien und Shows beschäftigen könnte…
es sei denn man ist eine echt abgezockte Sau, die das alles nur wegen der Schweinekohle macht die man da verdient… Okay, ich bin eine abgezockte Sau und mach es nur wegen der Kohle.
Eigentlich hab ich überhaupt keinen Humor
und finde Film an sich völlig überbewertet. Ich würd ja Theater machen, so mit Message und gesellschaftlicher Relevanz, aber… Stichwort Schweinekohle!

MacBug.de: Was macht ein Regisseur, wenn er gerade mal keinen Film dreht?

Tobi: Du meinst, ausser auf meiner Privatinsel rumlungern und mit Amy Whinehouse den Strand durch die Nase atmen?
Im Ernst, ich glaube es gibt ne Menge Leute die denken, Regisseur ist ein lauer Job. Ein bißchen Rumkommandieren hier, ein paar Hobbits in Auftrag geben da…
Das mag im anderen Teil der Filmwelt wo man für Budgets ab 100 Mio Dollars aufwärts Filme macht (manchmal) zutreffen. Allerdings sind selbst die Regiseure, die in dieser Liga spielen durch die Bank Arbeitstiere.
Wir Regisseure haben nämlich alle eines gemeinsam – wir sind absolute Kontrollfreaks! Wir wollen immer wissen, was die Leute um uns herum warum für unseren Film tun und am besten kümmern wir uns gleich noch mit darum.
Aber zurück zu Frage: Wenn ich nicht drehe dann bereite ich meistens entweder gerade ein Projekt vor oder ich befinde mich in der Postproduction. Wenn alle anderen aus dem Team längst im Urlaub sind oder im nächsten Projekt dann hocken wir ja noch über Wochen, manchmal Monate in dunklen Schneideräumen und Soundstages – an dieser Stelle ein Hoch auf die beleuchtete Tastatur beim Powerbook (ich nenne es immer noch so, basta!)
Im Moment sitze ich grade in einem Hotel in Prag und bereite einen Zweiteiler für Weihnachten mit Bastian Pastewka und Christoph M. Herbst vor. Daran habe ich dann mit der Entwicklung der Idee schon seit 2006 gearbeitet. Den Film werden wir dann von Mitte Februar bis Ende April hier in Tschechien drehen, und hoffentlich ist er dann im Sommer fertig. Während wir hier drehen werde ich mich mit verschieden Drehbüchern beschäftigen, die in der Entwicklung sind um davon hoffentlich eines in der zweiten Jahreshälfte zu realisieren.
Und zwischendurch hab ich mir noch überlegt, eine Woche vor Drehbeginn umzuziehen. Außerdem versuche ich mich nebenbei an der Erziehung meiner beiden Kinder zu beteiligen und… arbeite am Frieden im Nahen Osten.
Als ich Spiderman gesehen habe dachte ich mir “Mann! Ich kenne Dein Problem…” Ohne das alberne Kostüm natürlich.

MacBug.de: Wie siehst du die Entwicklung zum digitalen (Video, Animation, FX) Film?

Tobi: Das Thema ist mittlerweile allgegenwärtig. Ein Film wie “Der Wixxer” wäre ohne digitale Effekte so gar nicht möglich gewesen. Er wäre halt komplett anders geworden.
Um Bilder so herzustellen, dass sie Dir nicht von jedem 12Jährigen aus der Vorstadt um die Ohren gehauen werden kommst Du gar nicht an digitalen Elementen vorbei. Sie hauens Dir natürlich trotzdem um die Ohren,
weil das die Amerikaner natürlich viel besser und größer machen. Die haben ja auch im Durchschnitt das 10-20 fache Budget (in Worten…)
manchmal muss man deshalb bewusst gegen diesen Trend arbeiten und ganz authentisch arbeiten.
Aber auch VOLLIDIOT ist voll mit kleinen digitalen Gimmicks. Meistens nimmt man die gar nicht als digitalen Effekt wahr, aber dann macht es natürlich besonders viel Spaß. Wir helfen dann der Realität nur ein bißchen heimlich auf die Sprünge.
Grade in einer Comedy ist einfach auch viel mehr möglich um einen Gag zu tansportieren.
Auch im Moment beschäftigen wir uns stark mit dem Thema. wenn man in Mitteleuropa zu Zeiten des Klimawandels einen Schneefilm macht, dann kommt man gar nicht drumherum. Es gibt da wirklich tolle Möglichkeiten mittlerweile, und mit den sich permanent optimierenden Hardwares sind auch die Rechenzeiten und damit die kosten in einen erträglichen Bereich geschrumpft.
Ich hab allerdings auch bei diesem Projekt wieder gelernt, dass manchmal die klassische hanwerkliche Option dem digitalen Effekt vorzuziehen ist. Selbst die VFX Menschen sagen Dir oft zu recht “wenn Du es real herstellen kannst, mach es lieber real.”
Wir beschäftigen uns auch permanent mit digitalen Aufzeichnungsmethoden. Ich habe relativ viele TV Serien auf HDCAM gedreht, was allerdings nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen geführt hat da die Kameras einfach nicht den Bedürfnissen einer Filmkamera entsprechend konstruiert waren. Jetzt kommen aber neue Kameras wie Red und Arri D20 auf den Markt, die dem schon sehr viel eher entsprechen. Leider ab es bei der Red noch zu viele Probleme um dieses Projekt darauf zu realisieren, aber wir testen momentan noch ob einer Alternative zum klassischen Negativ. Die Zukunft, gerade für TV sehe ich auf jeden Fall im digitalen Bereich.
Auch im Kino wird das Ganze wohl auf eine Koexistenz hinauslaufen. fast alle filme die klassisch auf Negativ gedreht werden sind ja schon jetzt digital abgetastet, aleine wegen der Verwertungskette.
Der reine analoge Film wird wohl irgendwann dem Arthouse vorbehalten sein.

MacBug.de: Bist du auch persönlich an Computern interessiert? Wenn ja, erzähl uns ein wenig von
dem, was du damit machst…

Tobi: Ich würde mich durchaus als Informationssüchtig bezeichnen. Das geht damit los, dass ich morgens als erstes Mails checke, Spiegel Online lese, die üblichen Branchennewsseiten, etc.
Für mich ist das PowerBook (ja, okay es ist ein MacBookPro mittlerweile, weil mein altes Powerbook geklaut wurde) zum täglichen Begleiter geworden. Neben der Kommunikation per Mail
und auch per Skype (super für Konferenzen und um wie jetzt aus Prag am Abend mit den Lieben zu Hause zu quatschen) jetzt in der Preproduction entstehen alle Shotlisten am Book, werden Mood Fotos
als Referenz für Ausstattung, Kostüm, Kamera aus anderen Filmen gegrabbt und gesammelt und auch die Storyboards werden zwar von einem Zeichner per Hand gemacht, aber natürlich dann per mail an mich geschickt und dann besprochen.
Beim Dreh selbst dient das Book dann hauptsächlich als Abspielstation für Muster DVDs und Rohschnittfassungen. Beim VOLLIDIOT haben wir mit einem neuen System gearbeitet, bei dem man von einem sicheren Server täglich seine Muster ziehen konnte. Das ist im Zuge der gesamten Pirateriegeschichte, bei der es immer gefährlich ist DVDs durch die Gegend zu schippern eine gute Möglichkeit.
Eigentlich kommt die Stunde des Computers aber so richtig in der Postprduction. Natürlich wird heute alles auf Avids und dergleichen geschnitten. Aber mein kleines Book trägt auch seinen Teil dazu bei. Das Herzstück bildet dann nämlich meine umfangreiche itunes Bibliothek, die es mir ermöglicht tolle Musik in Szenen auszuprobieren. Bei TV darf man die dann auch oft verwenden, bei kino dient sie dann meist eher als Layout für den Komponisten.
außerdem kann z.B Final Cut Pro tolle Dinge, die ein Avid einfach nicht zu Stande bringt. Damit helfe ich meinem Cutter dann gerne mal aus und nerve ihn tagelang damit…
Ich hab irgendwann auch angefangen mit FC Pro kleinere Projekte zu Hause selbst zu schneiden. Wir haben vor einiger Zeit einen quasi Social Spot für unsere Freunde von www.bildblog.de gedreht. Da wir das alle umsonst gemacht hatten und nur kleines Budget zur verfügung hatten, habe ich beschlossen den Film selbst am Mac zu schneiden. Nach Schnittabnahme haben wir das Projekt dann für Mischung, online und Grading einfach transferiert. Das ging super!
Und das Tollste an alledem ist – ich habe bis heute nie ein Handbuch lesen müssen, denn alles im Macumfeld ist so dermaßen intuitiv, dass man meistens schnell dahinter kommt. Und wenn nicht, gibt es ja unter den usern so dermaßen viele, die wie ich auf der Klugscheisserschule waren… da kommt man immer voran.

MacBug.de: Offenbar hast du ja ein iPhone, was hat Dich dazu gebracht?

Tobi: Ja, ich konnte einfach nicht widerstehen. Bei meinem letzten Projekt haben Kameramann und Regieassistent mir das Ding den ganzen Tag vor die Nase gehalten… ich wollte wirklich NEIN sagen, aber dann fuhr meine Schwester in die USA und der Dollar steht so günstig… naja! Übrigens habe ich auch dieses Gerät verstanden, ohne einen einzigen Blick in ein blödes Handbuch… oder gar irgendwelche Installations CDs… tss!
Und jetzt kommt das Tollste. Ich befinde mich gerade in Prag, gegen das wir in Deutschland Digitalentwicklungsland sind. Hier gibt es quasi an jedem Baum einen free WiFi Hotspot. Eine tolle Stadt!
Grade war ich auf einer Locationbesichtigung und habe haufenweise Fotos mit dem iphone gemacht. Die schick ich jetzt per Mail an unseren Ausstatter.

MacBug.de: Bist Du auch sonst Apple Nutzer?

Tobi: Wie jetzt? hast Du mir die letzten minuten nicht zugehört? Wohl die ganze Zeit mit deinem iPhone rumgedaddelt… die jungen Leute!

MacBug.de: Mit dem Mac kann man ja auch als Amateur oder semi-professioneller Nutzer Filme
bearbeiten. Hast Du spontan ein paar Tipps für “Mac-Regisseure”?

Tobi: Natürlich gibt es auch unglaublich viel Schrott, der sich da so im Netz tummelt. Ein großer Teil davon sind ja Filme, die vor allem inhaltlich belanglos sind. Oder interessiert Euch die romantische Hochzeit von Norbert und Sue aus Bitterfeld im trauten Familienkreis. Aber ab und an trifft man da auch auf echte Überraschungen.
Da ich selbst nie eine Filmhochschule besucht habe, kann ich nur weitergeben was ich gemacht habe und noch heute mache. Möglichst viel anschauen um zu sehen, wie es gemacht wird, aber auch um zu sehen wie man es auf keinen Fall machen sollte. Ich schau mir jeden Scheiß an und von den schlechtesten Filmen kann man häufig am meisten lernen… meine Meinung.
Außerdem bietet die digitale Welt vor allem die Möglichkeit alles auszuprobieren.
Ein wichtiger Tipp von mir wäre allerdings: Wenn Ihr das wirklich professionell betreiben wollt, dann versucht keine one man show zu sein. Nehmt euch ab einem gewissen Punkt Profis um Eure Idee zu verwirklichen.
Gute Filme sind nur als Teamarbeit möglich.
und noch eins… Finger weg von den ganzen Effekten! Ein guter Schnitt ist durch nix zu ersetzen.

MacBug.de: Demnächst kann man im iTunes Store auch Filme ausleihen. Siehst Du Chancen für
junge Filmer durch das Internet Ihre Zuschauer zu finden?

Tobi: Ich denke, es wird das Angebot erweitern. Ich habe allerdings nach wie vor große Probleme damit, so lange mir die Nutzung und die Weiterverarbeitung eingeschränkt wird.
Ich nutze z.B. viele Filme als Referenz oder Inspiration für meine Departments. Eine DVD kann ich immer weiterverleihen, oder ein Stück daraus kopieren (wenn auch illegal, obwohl sie mir ja gehört)
Ich persönlich mag auch nach wie vor eine DVD im Schrank stehen haben. Ich bin auch wieder zurück zum guten alten CD Regal gekommen, weil das einfach übersichtlicher für mich ist.
Ich denke aber, für kurzfristigen Konsum – wie z.B. TV-Serien oder Filme die man sich sonst auch nicht gekauft hätte – könnte das eine lohnende zusätzliche Option sein.
Voraussetzung dafür ist für mich allerdings echt ein brauchbares Komprimierungsformat.
Ich glaube leider auch, dass ein kommerziell orientiertes Angebot wie itunes Jungfilmern eher kein Forum bieten wird. Die werden wohl nach wie vor den steinigen Weg übers Klinkenputzen gehen müssen. Aber mal ehrlich, es ist auch nicht unbedingt von Vorteil wenn jeder erstlingsfilm sofort hochgepusht wird und in eine große Vermarktungsmaschine geht. Es gibt bei der Musik ein paar Beispiele, an denen man erkennen kann dass statt schnellem Hype eine saubere Karriereentwicklung doch irgendwie besser gewesen wäre. Dazu kommt halt auch immer noch der große Unterschied zur Musik, dass ein Film in der Herstellung einfach mehr Zeit und mehr Geld benötigt.
Innerhalb der Branche fürchten wir uns alle ein bißchen vor ähnlichen Strukturen wie in der Musikindustrie. man sieht ja, wohin es sie gebracht hat.
Ich denke bei der ganzen Internetangebotsschiene geht es eher um eine Alternative zum klassischen TV. Ich hätte sehr gerne eine legale Möglichkeit amerikanische und britische TV Inhalte zu sehen, und ich wäre auch bereit da Geld für zu bezahlen.

MacBug.de: Wenn Du Probleme mit Deinem Mac/iPhone hast, wo suchst Du dann als erstes nach Hilfe?

Tobi: Jetzt wo wir uns kennengelernt habe werde ich natürlich nicht zögern, nachts bei Euch anzurufen weil mir ein unerwarteter Fehler das System zum Absturz gebracht hat… Ach nee, das passiert ja bei einem Mac nicht!

MacBug.de: Abschließend: Welche Pläne hast Du? Werden wir bald wieder etwas von Dir sehen?

Wie gesagt, jetzt werde ich erstmal den Weihnachtsfilm drehen. Es gibt einige Kinoprojekte für die 2. Jahreshälfte – die werden dann aber erst 2009 auf die Leinwand finden – und vielleicht erfüllt sich dabei sogar mein Wunsch etwas zu machen, dass mit Komödie so gar nix zu tun hat. Keine Angst! Ich werde weiter versuchen lustige Filme zu machen. Zwischendurch möchte ich aber auch vermehrt Ausflüge in andere Genres unternehmen. Mal sehen…

MacBug.de: Vielen Dank für das Gespräch, Tobi und wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!
Tobi: Ich danke. Apfelsaft für Alle!

Autor: Takeo

Mit einem Performa 600 zum Mac gekommen und seit dem langjähriger Apple-Professional und Fan. Ich lerne nie aus und freue mich immer, neuen wie alten Mac-Usern mit Hilfe zur Seite zu stehen. Ich bin gerne über MacBug.de erreichbar, ein Projekt welches ich im Jahr 2007 startete. Gerne lese und beantworte ich Kommentare zu den Artikeln persönlich. Ich freue mich auf eine Weiterempfehlung der Webseite durch unsere Leser! :)